#47 Über Macht, Lust und klare Grenzen mit Mary Ellxn

Shownotes

In dieser Folge von „Sex in Berlin" spricht Nike Wessel mit Mary Ellxn über BDSM jenseits von Klischees.

Mary teilt den eigenen Weg in die Szene, spricht über Aufklärung auf Social Media, Konsens, Safer Spaces und darüber, warum BDSM für viele Menschen nicht nur sexuelle Praxis, sondern auch Identitätsarbeit und Selbstermächtigung sein kann.

Gemeinsam besprechen Nike und Mary wie ein sicherer Einstieg in die Szene gelingen kann. Was es braucht, um sich auf Events wohlzufühlen. Welche Rollen Kleidung und Körperbilder spielen und wie Macht, Vertrauen und klare Kommunikation nicht nur im BDSM, sondern auch im Alltag und in Beziehungen bereichernd wirken können.

Offen, klug und mit viel Wärme zeigt diese Folge, wie wichtig gute Aufklärung, gegenseitiger Respekt und das Hören auf das eigene Bauchgefühl sind. Gerade für jüngere Menschen, die neugierig sind, aber noch zögern.

Willkommen und viel Spaß bei Sex in Berlin!

Alle Infos zum Podcast und dieser Folge:

Sex in Berlin Eine Studio36 Produktion Host: Nike Wessel Redaktion: Ella de Fries, Vincent Lerche Ton & Schnitt: Amadeus Lindemann

Über Mary Ellxn:

Instagram: https://www.instagram.com/mary_ellxn/?hl=de

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Transkript anzeigen

00:00:05: Und dann habe ich dem mal angeschrieben und so gefragt, ob wir auch noch vielleicht Fotos machen.

00:00:09: Dann habe ich auch was mitgebracht.

00:00:10: Und zwar ein Hundeklicker.

00:00:13: Für viele Menschen das, was sie spüren wollen, will sie ausgeliefert sein.

00:00:30: Herzlich willkommen bei unserem Podcast Sex in Berlin.

00:00:33: Ich hab heute die große Ehre, Mary Ellen da zu haben.

00:00:36: Vielen Dank fürs Kommen extra hierher.

00:00:38: Wir würden heute darüber reden, was du, BDSM, verschiedene Spielarten eigentlich für gute, vielleicht auch für gefährliche Seite haben, wie gute Aufklärung geht und wie das vielleicht auch für jüngere Menschen gut erklärt wird.

00:00:51: Weil das ist deine ganz, ganz große Stärke, dass du sehr liebevoll, sehr persönlich ... Dinge erklärst, die vielleicht nicht der totale Standard sind, aber gerade in ihrer Besonderheit kaum besser erklärt sind und zu ganz vielen Menschen, glaube ich, auch vordringen können, weil du das eben so gekonnt auch tust.

00:01:10: Danke, liebe Niek, und danke für die Einladung.

00:01:12: Genau, Aufklärung ist, glaube ich, das.

00:01:14: Also, ich hätte früher auch nie gedacht, dass ich mal da landen würde, wäre das immer Aufklärung, auf Social Media zu machen.

00:01:20: Was war dein Berufswunsch früher?

00:01:21: Gute Frage.

00:01:22: Ich

00:01:22: glaube, ich habe mich immer so ein bisschen lost gefühlt.

00:01:24: Und so gesehen fühle ich mich in dem, was ich da tue, tatsächlich sehr wohl, weil es ist eine super sinnvolle Aufgabe.

00:01:31: Ich glaube, das ist alles aus einer... aus einer Spontanität eigentlich entstanden.

00:01:36: Ich habe einen TikTok-Kuch geladen, wo ich immer ein Stammtisch berichtet habe und ich habe gedacht, ich mache das nur für mich und dann kam darunter aber ganz viele Kommentare, kannst du das mal erklären?

00:01:45: und so kam das eben.

00:01:46: und dann habe ich auch gemerkt, also mir war vorher schon bewusst, wie viel Notwendigkeit für gute Aufklärungen besteht, aber dass das auch über Social Media geht, daran hatte ich irgendwie gar nicht gedacht.

00:01:56: und es war so ein Zufallsfund und es ist eigentlich auch total logisch, weil Menschen trauen sich da eben ihre Fragen zu stellen.

00:02:03: Was sind so typische Fragen, die du bekommst?

00:02:05: Zum einen, wie kann man anfangen?

00:02:07: Weil das waren wir früher auch gar nicht bewusst, dass es ja auch für junge Menschen viele Möglichkeiten gibt, sich zu vernetzen oder Partys zu finden und so weiter.

00:02:15: Und wenn du erst mal nur diesen Wunsch hast, diese Fantasie vielleicht, okay, ich möchte das irgendwie ausleben.

00:02:21: dann weiß du ja gar nicht, okay, wie finde ich jetzt jemanden?

00:02:25: Wie finde ich überhaupt andere Menschen, denen das genauso geht?

00:02:28: Du fühlst dich erst mal komplett lost vielleicht damit und alleine.

00:02:31: Das ist eine große Frage, aber auch so was wie okay, was zieh ich eigentlich an?

00:02:34: Das hatte ich jetzt in letzter Zeit viel, dass ich darüber gesprochen habe, weil es... alle Menschen, die irgendwie mal auf dem Event gehen möchten, wo es vielleicht einen strengen Dresscode gibt, dann beschäftigt.

00:02:45: Weil es ja auch so ein Sprung in so eine neue Welt ist.

00:02:48: Also was ziehe ich an?

00:02:50: Ich finde das immer wieder eine interessante Frage.

00:02:52: Es gibt ja verschiedene Arten von Events und meistens steht dir auch so in der Beschreibung daneben, was man machen sollen.

00:02:57: Da steht ja manchmal nur so kinky Dress und nicht Straßenkleidung.

00:03:01: Du bist sehr, sehr schön angezogen, wenn ich das sage.

00:03:04: Vielen verschiedene Details auch an dir vom Schmuck.

00:03:07: Natürlich deine sehr.

00:03:08: Wunderschönen Haare, aber auch praktisch, du gibst dir auch viel Mühe mit deinem Look.

00:03:14: Wie wichtig ist das für dich auch, nach außen einen bestimmten Stil zu zeigen?

00:03:18: Und wie wichtig ist es, auf verschiedenen Feiern sich auch unterschiedlich anzuziehen?

00:03:21: Ich glaube, im Alltag versuche ich immer so ein bisschen... was von meiner Persönlichkeit mit in meinen Stil zu bringen.

00:03:27: Das bedeutet nicht, dass ich immer so rumlaufe, aber zum Beispiel jetzt hier, ich hab jetzt hier grad so ein Lack-Harnis an und Lack-Schuhe und dann denk ich mir, ja, also das würde ich jetzt auf einer Kinky-Party anziehen, aber ich bin ja auch alternativ unterwegs, so an sich.

00:03:41: So, das ist ja auch alternativer?

00:03:42: Genau, im ICE, ganz kein Problem.

00:03:44: Also in Berlin sowieso nicht, da kriegt dich keiner komisch an.

00:03:47: Aber ich hab dann irgendwann gedacht, so, ich möchte mich so ausdrücken und ... behält mich jetzt die Meinung von anderen Leuten, wenn das jemand komisch findet, davon ab.

00:03:55: Und irgendwie möchte ich eben nicht, dass mich das davon abhält, so einen kleinen Teil wie so ein Harnis und Accessoire halt immer auch am Alltag zu tragen.

00:04:01: Das bedeutet wie gesagt nicht, dass ich immer so rumlaufe.

00:04:03: Es gibt auch Tage, wo ich in Jogginghose rumlaufe und dann zu Hause bin.

00:04:07: Aber ich versuche oft eben dieses kleine bisschen, was mir diese BDSM Szene auch mitgegeben hat, sodass ich eigentlich selber sein darf, hat sich auch so ein bisschen im Alltag und meinem Stil tatsächlich so niedergeschlagen, dass ich mich eben ... Selbstsicherer darin fühle, das auch nach außen zu transportieren.

00:04:24: Vielleicht gehen wir noch mal einen kleinen Schritt zurück.

00:04:26: BDSM, erklär's gerne noch mal, weil du die Expertinismus erklären und auch, was das so für eine ganze Persönlichkeitsentwicklung auch mit sich bringt, sich auch mit der Sexualität auseinanderzusetzen und vielleicht auch, wenn man so ein bisschen ein Stil findet oder eine Idee findet, was es einem vielleicht auch für Halt geben kann.

00:04:44: Ja, also beim BDSM geht es um ... Sexuelle oder nonsexuelle Fantasien, die sich um Macht und Unterwerfungen drehen und ich lasse das jetzt bewusst sehr offen, weil es am Ende eben das ist, was du daraus machst.

00:04:56: Ich glaube alle Fantasien im BDSM oder alle Menschen, die das irgendwie draufstehen oder sich darin wiederfinden.

00:05:02: Die finden diesen Macht- und Unterwerfungsans aspect sehr schön.

00:05:04: Aber wie das dann am Grunde ausgelebt wird, ob das jetzt klassisch swanking ist oder ein bisschen subtiler oder ob man das irgendwie durch den Alltag zieht oder halt nur ganz punktuiert irgendwie im Schlafzimmer nutzt, das ist ja jedem selber überlassen.

00:05:17: Da gibt es nicht, wie man so schön sagt, die... BDSM-Bibel, nach der jeder zu leben hat und was eben auch ein Punkt ist, wo ich viele Leute immer gerne abhole, so, ey, ihr macht das, was sich für euch richtig anfühlt und macht das, was ihr ja abgesprochen habt.

00:05:29: Und da sind wir natürlich schon mit einem großen Punkt, Konsens.

00:05:32: Das zieht sich ja wirklich durch alles durch und ist gerade beim BDSM so absolut essentiell, dass natürlich nichts funktioniert in dieser Szene, ohne klare Absprachen.

00:05:42: Und das ist, glaube ich, etwas, was ich ... auch aus dieser Szene mit in meinen Alltag mitgenommen habe, weil, zum Beispiel, als wir uns begrüßt haben und mich schon mal jemand drauf angesprochen, dann frage ich die Leute meistens, möchtest du eine Umarmung?

00:05:54: Das hat sich irgendwie so aus dieser Szene so rausentwickelt, dass man Leute ja auch im Alltag fragen kann, was sie eigentlich wollen.

00:06:00: Es ist okay für dich, wenn wir jetzt über dieses Thema sprechen, wenn es vielleicht besonders auffühlend ist oder so, und es ist irgendwie sind so viele kleine Sachen, die ich tatsächlich irgendwie da so mitgenommen habe und wo ich den Menschen ... die mich damals irgendwie aufgenommen haben, als ich damit angefangen habe und mir das so mitgegeben haben, sehr dankbar bin.

00:06:17: Lass uns da doch noch mal reingehen.

00:06:19: Wie alt warst du, als du diese, sagen wir mal, jetzt nicht absolut Standard von Hollywood in jede Serie gedrückte Sexualität-Ausdrucksart gefunden hast?

00:06:29: Möchtest du wissen, wann ich das erste Mal quasi darüber nachgedacht habe, also irgendwie gemerkt habe, okay, in mir ist was da in diese Richtung?

00:06:36: Oder wo ich tatsächlich dann angefangen habe in die Szene?

00:06:41: zu gehen, mich damit zu beschäftigen.

00:06:42: Das sind hier zwei unterschiedliche Zeitpunkte.

00:06:44: Das stimmt.

00:06:45: Ich könnte gar nicht sagen, wann ich das erst mal über Sexualität nachgedacht habe.

00:06:48: Wenn du das so genau weißt, würde mich das sehr interessieren.

00:06:51: Ich glaube, mir geht es so für vielen anderen Menschen in der Szene, dass... dass ich das jetzt schon in jungen Jahren wusste.

00:06:59: Ich hab zum Beispiel ... Bei mir ist es klassisch so, ich hab mit den Kindern in meiner Straße Fesseln gespielt und fangen und so.

00:07:05: Dann wär er dann gefangen oder gefesselt.

00:07:08: Und ich wusste natürlich nicht, was das bedeutet.

00:07:11: Damals war das auch nicht sexuell.

00:07:12: Aber so Rückblickend hab ich immer gedacht.

00:07:15: Auch wenn jemand in den Film gefangen und gefesselt wurde, fand ich das damals schon immer spannend.

00:07:21: Und ich wusste schon immer, okay, irgendwas ... ist da gleichzeitig, ich verordere mich auch auf dem asexuellen Spektrum.

00:07:29: Und das, so gerade in der Jugend, wo man dann gemerkt hat, okay, das hat vielleicht was Sexuelles, aber eigentlich hab ich da auch einen ganz anderen Bezug zu.

00:07:36: als Menschen in meiner Klasse, war ich da in so einem komischen Spagat, in so einem komischen Limbo, wo ich wusste, okay, das eine, diese Fantasien, das ist irgendwie so ein Erwachsenenzeug, das hat irgendwie was mit Sexualität zu tun, aber ich selber ... Ich hab einen anderen Zugang zu und bin anders.

00:07:53: Dann kannst du dir vorstellen, dass das Chaos im Kopf komplett vorprogrammiert war.

00:07:58: Wo

00:07:58: kommst du

00:07:59: her?

00:07:59: Von Hannover.

00:08:01: Gab's da Angebote schon bei euch irgendwo?

00:08:03: Gibt's da eine tolle Fetisch-Party für junge Menschen?

00:08:07: Nee.

00:08:09: Mittlerweile glaub ich schon tatsächlich.

00:08:11: Aber wie alt war ich da?

00:08:15: Ich mein bester Freund war das Internet.

00:08:18: und Menschen, mit denen ich im Internet irgendwie Kontakt hatte, die waren vielleicht ein bisschen offener, die waren auch irgendwie eine alternativen Szene und ich weiß, dass mir irgendwann mal jemand Fessel Tutorials auf YouTube gezeigt hat oder es war so, es war wie ein kleiner Porno damals für mich so, oh mein Gott, dieses Fessel Tutorial.

00:08:33: Und da habe ich dann zum ersten Mal gecheckt, okay, es gibt Menschen, die das irgendwie machen.

00:08:39: Das scheint was zu geben, aber das sind ja alte Menschen, also von meiner Perspektive damals.

00:08:44: Also für mich junge Menschen auch irgendwas.

00:08:47: Also das war jetzt schon das nächste Problem.

00:08:48: Das war ja dann so unerreichbar, okay, die machen das.

00:08:51: Aber wo und was, das hat sich damals noch gar nicht für mich so ergeben.

00:08:55: Das war so unerreichbar weit weg tatsächlich.

00:08:58: und eben im digitalen und nicht im

00:09:00: realen.

00:09:01: Genau,

00:09:01: ja.

00:09:02: Und wann gab es die ersten realen Auseinandersetzungen damit oder Ideen, wenn du dann die ersten Partnerin Partner

00:09:09: hattest?

00:09:10: Ich glaube, das war ein bisschen parallel.

00:09:11: Ich weiß, dass ich irgendwann, ich war dann auf einem Portal für Models und Fotografen angemeldet, weil es nur so mein Hobby war.

00:09:17: Und irgendwann habe ich dann Fotografen kennengelernt, der Shibari Fotos gemacht hat.

00:09:24: Also Fesselfotos.

00:09:26: Und denen dann anzuschreiben wegen den Fotos war dann irgendwie so ein ... Das war das erste Mal, dass ich quasi jemanden gesehen habe in direkter Erreichbarkeit, sag ich mal, zu mir.

00:09:35: Damals war ich neunzehn oder so.

00:09:36: Und dann hab ich den mal angeschrieben und so gefragt, können wir auch mal vielleicht Fotos machen?

00:09:41: Was war irgendwie so ein bisschen niedrigschwelliger als jetzt ... als jetzt wen an, also keine Ahnung, als jetzt irgendwie jemanden wegen des Fesshins zu fragen?

00:09:49: Und dann habe ich den Fehler gemacht.

00:09:52: So, ich bin dann als neunzehnjähriges Mädel da zu dem nach Hause gefahren, habe ich fesseln lassen, ohne jemandem Bescheid zu sagen.

00:09:57: Das ist natürlich eine ganz große Red Flag.

00:10:00: Ich hatte aber begluckt, dass der Mensch halt vernünftig war.

00:10:03: Und ich mit meiner ersten Fessel-Erfahrung, dann wieder rausgegangen bin.

00:10:08: Und die

00:10:10: war gut.

00:10:11: Ja, das war ... Ich war wirklich wie geflasht, weil diese ganzen, es war dann endlich mal real, weißt du?

00:10:17: Und dieser Mensch war eben gut vernetzt in NRW damals, wo ich dann hingezogen bin.

00:10:22: Und der hat mir einen Verein an die Hand gegeben, der Stammtische für junge Menschen organisiert, die SMJG.

00:10:29: Und ab da hat sich dann diese Tür zu den ganzen Real-Life-Community tatsächlich dann eröffnet.

00:10:37: Das war natürlich super spannend.

00:10:39: Du machst sehr besonderen Inhalt und du erzählst von einer sehr offenen, persönlichen und auch auf verletzliche Art und Weise.

00:10:46: Das hat auch ein bisschen damit zu tun.

00:10:50: dass dein Körper nicht total standardmäßig funktioniert, wenn ich das vorsichtig ausdrücken kann.

00:10:55: Genau, dann mache ich auch keinen Geheimnustrum.

00:10:58: Also, ich habe eine Muskelkrankheit.

00:10:59: Das bedeutet, dass meine Muskeln schwächer sind als die von gesunden Menschen.

00:11:03: Das merkt man mir jetzt so von meiner Statur so nicht an.

00:11:06: Manchmal sieht man das, wenn ich laufe.

00:11:08: Aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass das eine unsichtbare Behinderung ist.

00:11:12: Und dann geht das natürlich auch viel um Repräsentation.

00:11:16: Zum Beispiel habe ich auch heute noch ... das Problem so in mir drin, dass ich mich manchmal nicht traue, alleine auf Events zu gehen, weil ich nicht weiß, okay, ist die Location barrierefrei.

00:11:26: Haben Menschen Verständnis dafür, wenn ich um Hilfe fragen muss, zum Beispiel, weil die Sitzgelegenheiten sehr niedrig sind.

00:11:33: Wie hier zum Beispiel,

00:11:33: leider.

00:11:34: Ich hab dich ja auch gefragt, weil dir weiß ich, okay, du willst dafür Verständnis haben.

00:11:39: Und selbst wenn man weiß, okay, diese Person hat vielleicht Verständnis dafür, ist es ja immer noch so ein ... So ein Überwinden.

00:11:44: Und ich glaube, in meinem Content, ich mach daraus kein Geheimnis.

00:11:47: Erstens, weil es gar keinen Sinn ergibt, das zu verstecken.

00:11:50: Warum auch, gehört ja zu mir dazu.

00:11:53: Aber vielleicht kann ich damit irgendeinem anderen Person ein bisschen Mut machen.

00:11:56: So, ey, ich bin ein Angsthase.

00:11:58: Ich hatte damals richtig viel Schiss, zu meinem ersten Event zu gehen.

00:12:01: Und ich hab das auch geschafft.

00:12:02: Das kannst du auch.

00:12:04: Weil ohne chronische Krankheiten oder unsichtbare Behinderungen äußern sich ja in so vielen Shapes and Sizes.

00:12:10: Und

00:12:11: ...

00:12:12: da irgendwie was mitzugeben, ist irgendwie sehr erfüllend.

00:12:14: Und inwieweit kann dann zum Beispiel BDSM einen Rahmen geben, der vielleicht auch, sagen wir mal, noch halten, da ist es als andere Sachen, also gerade bei Fesseln als Beispiel.

00:12:24: Tatsächlich ist Fesseln ein sehr gutes Beispiel, weil ich das Gefühl habe, dass meinem Körper sehr gut tut auf eine physische Art und Weise, aber natürlich auch emotional.

00:12:34: Zum Beispiel, wenn jemand wie ich, ist natürlich Physiotherapiending.

00:12:38: Bei Physiotherapie geht es ja auch um bewusstes Dehnen und im Prinzip um bewusste Körperbewegungen.

00:12:44: Ähnlich ist es bei Shibari auch, weil, zumindest für mich, ich möchte das jetzt nicht für allgemein an.

00:12:49: Aber zum Beispiel in dem Moment, in dem du gefesselt wirst, bist du vielleicht auch an einer Position, die vielleicht für deinen Körper anstrengend ist, aber nicht zu strapazierend.

00:13:00: Und in dem Moment, in dem das aber ein bewusster Rahmen ist, ich meine, eine Person, mit der ich Fessel darüber aufgeklärt habe, hey, mein Körper hat diese Besonderheiten und die gewahrt werden, habe ich eher das Gefühl, dass es für mich ähnlich wie Physiotherapie wirkt, weil es einfach eine bewusste Körpererfahrung ist.

00:13:17: Und es gehört natürlich auch viel Mut dazu, zu sagen, hey, ich habe diese Einschränkung.

00:13:21: Wenn du jetzt mit wem anders fesseln würdest, dann wäre die Person vielleicht flexibler, sportlicher, die Fesselung sieht dann ... Ästhetischer im Sinne von normschöner aus, wenn das ein krasser Backband ist, also wenn man den Rücken so krass da durchbiegen kann oder so, das kann ich halt nicht.

00:13:34: Aber in dem Moment, in dem du sagst so, hey, ich kann das nicht, ist das okay für dich.

00:13:39: Dann entscheidet sich ja, die andere Person auch bewusst dafür, mit dir mit dieser Einschränkung zu fesseln.

00:13:44: Und das ist irgendwie ein schönes Gefühl, gesehen zu werden.

00:13:48: Und dass immer, wenn ich das im BDSM-Kontext erlebe, fühle ich mich sehr wohl dabei, tatsächlich.

00:13:54: Du hast mir auch Sachen mitgebracht, damit wir vielleicht wieder jetzt noch mal ein bisschen zeigen, was es so alles gibt.

00:13:59: Was hattest du in deinem Taschen im ICE hier?

00:14:03: Also ich war leider ein bisschen eingeschränkt mit den Sachen, die ich jetzt mitbringen konnte, aber ich habe mal hier drei verschiedene Sachen mitgebracht.

00:14:09: Womit wollen wir anfangen?

00:14:10: Was glaubst du, ist das was Spaßes?

00:14:13: Ja, also das in der Mitte würde ich sagen, ist das eine Peitsche oder?

00:14:17: Genau, also das ist... Ich weiß nicht, ich glaube, als es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu winnen.

00:14:22: Ich glaube, wir haben da immer Slepper zu gesagt, weil es ein bisschen slept.

00:14:26: Im Prinzip kann man jetzt hier sehen, vielleicht.

00:14:29: Es ist ein kleines Stück Kunstleder oder Leder, das hier eine Karabiner hat.

00:14:34: Aber wo du hier anfassen kannst, dann am Ende sind es hier zwei Tales, sag ich mal.

00:14:38: Und wenn man halt hier dann so... Dann macht das ein schönes Geräusch und tut... Mitunter auch sehr weh.

00:14:44: Und das obwohl es eigentlich sehr süß und klein aussieht.

00:14:48: Ist auch to go wahrscheinlich gut zu verwenden.

00:14:51: Ja tatsächlich auch oder für Partys hier mit dem Karabiner, dass man das sich hier so schön an die Hose klicken kann.

00:14:57: Und dann auf den Po, auf die Oberarme.

00:14:59: Genau.

00:15:00: Also Po oder Oberschenkel, zum Beispiel, ist natürlich immer da, wo ich sage mal jetzt keine inneren Organe oder Gelenke liegen oder Hals und alles was Richtung Kopf, dann geht sowieso nicht.

00:15:10: Aber grundsätzlich beim Spenken sollte man eben schauen, keine Gelenke, keine inneren Organe.

00:15:15: Aber jetzt gerade so, wo viel Hautfläche ist, wo viel Fett vielleicht auch ist, also Hühntern und Oberschenkel, das ist schon okay.

00:15:21: Schön.

00:15:22: Ja.

00:15:23: Ich war neugierig bei einer Veranstaltung, da hat einer immer gespengt, aber nur so hin und her.

00:15:26: Das klang fast aus wie so ein Traumler.

00:15:28: Ja.

00:15:29: Es

00:15:29: war dann irgendwann auch so wissen, dass ich dachte, was ist es jetzt, was er da macht.

00:15:33: Also das wirkte dann jetzt nicht so, wie ich mir das vorgestellt hätte.

00:15:37: Es gibt auch Menschen, die irgendwie im Takt zur Musik.

00:15:41: Ja, so wirkte das so ein bisschen.

00:15:43: Und ich habe aber manchmal das Gefühl für Menschen, damit, die das nicht so hilfig sehen, ist das dann fast so ein bisschen befremdlich, weil es dann so ... Okay, aber du fügst diese Person ja jetzt gerade Schmerzen so.

00:15:54: Aber dann so rüttelst du fast schon so ein bisschen lustig.

00:15:58: Aber ja, das gehört auch dazu.

00:16:00: Also, wir sind ja nicht alle, wir gehen ja nicht zum lachen Keller so.

00:16:04: Ich denke, auch viele Menschen.

00:16:05: Und das ist dann immer schön auflockend.

00:16:07: Nee, und was ich noch dabei habe, das sind hier zwei Bambusstäbe, die zusammengehalten sind mit so etwas stärkeren Gummibändern.

00:16:16: Und wenn man die hier so ein bisschen aufspreizt, dann kann man da Dinge reinstecken.

00:16:21: Und jetzt vor allem, weißt du, ich hab's dir gerade gesagt, aber...

00:16:25: Wie Zunge hast du gesagt?

00:16:27: Ich hab die Zunge hauptsächlich, für mich ist das jetzt für die Zunge, also ein bisschen Zungenknäbe.

00:16:33: Aber man kann natürlich auch zum Beispiel Nippel da gut mit einklemmen.

00:16:36: Das ist natürlich sehr fies.

00:16:37: Nippel

00:16:37: oder größere freiliegende Körperteile, die sich hier durchschieben lassen,

00:16:42: wahrscheinlich?

00:16:42: Man kann kreativ werden.

00:16:43: Man kann

00:16:44: kreativ werden.

00:16:45: Okay.

00:16:46: Grundsätzlich gilt ja bei BDSM auch Halten, Druck fest, also quasi einen festen Rahmen geben oft eben einen Teil auch, dass man einen schmerzhaften Impuls hat, also dass man eben auch verspürt, was jetzt über zarte Streichende hinausgeht.

00:17:01: Wie lange würdest du dann, sagen wir mal, eine Zunge darin halten wollen?

00:17:04: Ich

00:17:04: glaube, also das ist sehr individuell.

00:17:06: Also grundsätzlich ist das jetzt nicht hochrisikoreich, man muss aber trotzdem natürlich auf den Kontext aufpassen.

00:17:13: Das passt zum Beispiel, so ein Knäbel kann man gut im Sinne von Fesseln verwenden.

00:17:18: Also wenn deine Person gefesselt ist, kann man den zum Beispiel jetzt auch für die Zunge verwenden.

00:17:22: Aber dann ist es natürlich nicht mehr okay ein Knäbel, sondern das ist im Kontext des Ganzen.

00:17:25: Das heißt zum Beispiel, wenn die Festlung anstrengend ist, oder auch nicht, aber in dem Moment, wo du die Zunge knäbelt hast, kannst du ja nicht mehr kommunizieren.

00:17:33: Das heißt, es ist eher so ein Extra-Spice anstatt jetzt Menschen da lange... drin zu lassen.

00:17:39: Also ein bisschen, ist für eine kurze Intervention vielleicht?

00:17:42: Genau, ich glaube, das ist ein guter Tipp, weil es muss nicht immer super lang sein, so ein bisschen und alleine dieses zu zeigen, wenn du jetzt in der dominanten Position bist als Top, alleine, dass du es kannst, ist ja schon eine Sensation.

00:17:56: Das ist ja schon ausgeliefert sein.

00:17:59: Das muss nicht unbedingt über... zwanzig Minuten oder so outgestretched werden.

00:18:04: Alleine, dass du es kannst, dass du es mit der anderen Person machen kannst, ist ja schon für viele Menschen das, was sie spüren wollen, die es ausgeliefert sein.

00:18:11: Und das ist auch das, was du am Anfang gesagt hast.

00:18:13: Das ist auch ein Spiel mit Machtverhältnissen.

00:18:16: Und mit, wer gibt eigentlich auch einen Vor-?

00:18:18: und neben dem Rahmen, den man mit, zum Beispiel, seilen mit verschiedenen Dingen, die dich fixieren oder auch einen bestimmten körperlichen Impuls geben, kann man ja eben auch über den Kopf dominieren.

00:18:29: Das heißt, man sagt dem anderen, was die Person tun soll und steckt einen Rahmen ab, sagt genau, dass quasi die eine Person auch einfach das ganze Spiel vorgibt, zum Beispiel.

00:18:38: Also ... Wie ist das jetzt?

00:18:40: Das würde ich mir zum Beispiel an die Zunge machen.

00:18:42: Jetzt will ich dir aber ein Signal geben, dass es mir wirklich zu viel ist.

00:18:45: Da habe ich auch was mitgebracht.

00:18:46: Und zwar ein Hundeklicker.

00:18:49: Also du wirst jetzt hören, der ist richtig laut.

00:18:51: Ja, der ist

00:18:52: richtig laut.

00:18:53: Also

00:18:53: gerade wenn du mehrmals drauf klickst, dann ist das eigentlich ein unmissverständliches Signal.

00:18:57: Das Problem ist natürlich, dafür musst du die... Naja, die Hand nicht frei haben, aber du musst es der entsprechenden Person zum Beispiel so um den Arm machen, dass sie das nicht verlieren kann, auch wenn sie sich bewegt.

00:19:07: Also es muss irgendwie auch ein nonverbales Safe Word geben, dass für solche Fälle neben dem Verbal natürlich erreichbar ist.

00:19:15: Weil verbales Safe Words kennen wir alle, aber an nonverbalem Denken vielleicht nicht alle und habe ich lange ehrlich gesagt auch nicht.

00:19:22: Genau, und da ist zum Beispiel meine Möglichkeit eben dieser Hundeklicker, der ist ja auch super easy zu beschaffen.

00:19:28: Praktisch im Alltag kann man immer dabei haben.

00:19:30: Ich finde eigentlich beides.

00:19:31: Neu, ich hatte einen Kunden, der hat nicht aufgehört zu reden.

00:19:33: Da hätte ich gerne diese Stäbchen dabei gehabt auf jeden Fall.

00:19:36: Ja, sehr schön.

00:19:38: Wie kann man das denn so in Partnerschaften einsetzen?

00:19:40: Wir haben ja schon über Konzent gesprochen oder du hast das kurz erwähnt.

00:19:44: Was hilft dir oder uns allen vielleicht auch eine Auseinandersetzung mit dem BDSM Bereich, um egal in welcher Art von Beziehung immer wieder Konzent zu besprechen und auch herzustellen?

00:19:56: Zum einen.

00:19:57: Gibt es in BDSM Sessions, sollte man, bevor man überhaupt irgendwas macht, ein Konsensgespräch führen, was schon mal gut ist, um so einen grundsätzlichen Rahmen entweder für die Länge der Partnerschaft oder die Länge der Spielpartnerschaft zu besprechen oder jetzt für dieses eine spezielle Ding, aber auch so check ins Hinterher, nämlich die Aftercare, also wirklich aktiv nachzufragen, okay.

00:20:19: Möchtest du mir Feedback geben?

00:20:20: Hat dir etwas gut gefallen?

00:20:21: Hat dir auch etwas nicht gut gefallen?

00:20:23: Das ist etwas, was auch in der Beziehungskonstellation in Form von Beziehungscheckins, finde ich, sehr hilfreich ist und was ich in meiner Wahrnehmung, wo es viele Menschen in der BDSM Szene, die alle möglichen Arten von Beziehungen haben, eben durch solche Checkins auch praktizieren, was ich so von meinen Vanillafreunden irgendwie noch nicht so wahrgenommen habe, was ich aber eine schöne Möglichkeit finde und was ich eben auch selber tatsächlich in meiner Beziehung mache.

00:20:48: Aber auch grundsätzlich, ähm, so einen Hinterfragen mache ich das jetzt gerade, oder bin ich bereit, das zu machen, um meiner Partnerperson zu gefallen, um der, also um deren Willen.

00:20:59: Oder willige ich ein, weil ich das wirklich möchte.

00:21:02: Das kann sich auf Sexualität beziehen, aber das kann sich natürlich auch auf alles andere... Den Abfall.

00:21:08: Ja, genau.

00:21:09: Und wenn du dich, wenn du dich dafür entscheidest, das für deine Partnerperson zu machen, dann ist das ja legitim und... in Ordnung, solange du dir bewusst bist, also solange man sich eben bewusst dafür entscheidet.

00:21:20: Und ich glaube, das ist etwas, was mir BDSM auch noch mal mitgegeben hat, was sich so in die Beziehung mit reinzieht.

00:21:28: Und in dem Moment, in dem du BDSM mit deiner Partnerperson ausleben kannst, bist du sehr nah mit dieser Person, weil dieses Vertrauen, das manifestiert sich in der Session noch mal mehr.

00:21:39: Also, wenn ich nach einer Session mit meiner Partnerperson Ein Aftakabbetreiber, einfach im Bett lege, dann ist das so ein krasses Gefühl von Nähe, was so schön ist und was uns immer wieder so nahezu zusammenbringt, was sich einfach als sehr intensiv wahrnimmt, tatsächlich.

00:21:59: Kannst du mir noch eine schöne Geschichte erzählen?

00:22:03: Ihr macht ja oder du machst auch Veranstaltung.

00:22:05: Jetzt kommen Menschen zum ersten Mal, vielleicht auch auf so eine ... Trauen Sie sich mal, sind vielleicht auch sehr jung, trauen sich das erste Mal, sich in bestimmte Kleidung anzuziehen, auf so ein Event zu gehen.

00:22:15: Was erlebt dann jemand?

00:22:16: Oder hast du eine Geschichte, was dir vielleicht jemand später auch später erzählt hat?

00:22:20: Ich habe eine Freundin von mir, von der ich weiß, sie ist in einer Partnerschaft und sie ist auf jeden Fall bei dir immer interessiert und hat auch Erfahrung.

00:22:28: Aber sie hat immer gesagt, Playparties oder Events grundsätzlich, das ist nichts für mich, ich fühle mich da nicht wohl, ich kann mich da nicht fallen lassen, da sind andere Menschen.

00:22:38: was ist, was ich komplett nachvollziehen kann.

00:22:40: In dem Moment, in dem du zu so einer Party gehst, also wir müssen vielleicht kurz unterscheiden, Tanzpartys und Playpartys, Tanzpartys sind in einem ... Klub, wo es vielleicht eher ums Tanzen ums Feiern geht, ins ex positive Atmosphäre.

00:22:51: Und Playparties sind vielleicht eher im Swinger-Club, in einem BDSM-Club, wo es primär ums Ausleben, ums Socializing geht.

00:22:57: Ich rede jetzt hier über Playparties.

00:22:59: Und wenn du auf so einer Playparty bist, dann siehst du da Dinge, die du so anders vielleicht noch nicht gesehen hattest, dann nackte Menschen, die irgendwie BDSM ausleben.

00:23:06: Vielleicht hat man das uns immer nur im Privaten gemacht.

00:23:09: Und sie meinte, sie war einmal auf so einer Playparty und hat sich da nicht wohlgefühlt, kam auch nicht in die Session rein.

00:23:15: Und ... Hat das dann für sich so abbestempelt, so, das ist nichts für mich.

00:23:20: Und dann war die neulich auf einer Party von mir.

00:23:24: Was mich, glaub ich, am meisten gefreut hat, war, dass sie hinterher zu mir gesagt hat, okay, ich glaub, ich muss das noch mal hinterfragen.

00:23:29: Ich glaub, Partys sind doch was für mich.

00:23:32: Nur vielleicht nicht die, auf der ich bisher war.

00:23:34: Und ich glaub, ich muss dann noch mal meinen Horizont erweitern und schauen, was es da noch so gibt.

00:23:38: Es war nicht das Konzept von Party, das ihr nicht gefallen hat.

00:23:42: Sondern vielleicht diese eine spezielle Party.

00:23:45: Und ... Das war irgendwie ... Das ging so direkt ins Herz.

00:23:51: Weil ich glaub, alles, was ich mit meiner Arbeit machen möchte, ist, Menschen den Zugang zu geben, sich wohlzufühlen und in der Community zu finden, sich verstanden zu fühlen.

00:24:01: Oder es ging einfach runter wie Butter.

00:24:04: Und was war es jetzt genau?

00:24:06: Ich glaube, vielleicht so ein vorurteilsfreier Raum.

00:24:11: Was ich manchmal als Feedback von der Community mitkriege, ist, dass Playparties manchmal ... eben nicht diesen offenen Raum schaffen, dass sich Menschen wohlfühlen können und dann dann aber ein Fokus drauf zu legen.

00:24:24: Woran liegt das dann?

00:24:25: Oft an tatsächlich an Body Shaming oder an doch irgendwie an King Shaming, was ich halt irgendwie ein bisschen traurig finde, wenn man auf einer Playparty ist und dann irgendein King, irgendein besonderer King irgendwie ausgeschlossen wird.

00:24:38: Das stößt, glaube ich, Menschen ab.

00:24:40: Oder doch, dass Menschen vielleicht in Polybeziehungen leben und dann zu dritt oder noch mit mehr Menschen dort auftauchen.

00:24:47: Nicht so ein bisschen unterschwellig abgewiesen werden oder nicht so als Teil der Gruppe gesehen werden.

00:24:52: Das finde ich, wenn Menschen mir das berichten, immer wirklich sehr, sehr schade.

00:24:57: Ich war jetzt neulich auf einem Event und ich hatte schon so ein bisschen komische Gefühle vorher, weil ehrlicherweise gehe ich nicht so gerne zu Sachen, die Männer organisieren.

00:25:04: Gerade wenn sie es noch für junge Frauen organisieren, habe ich einfach schon, sagt mein Bauch oft, irgendwas gefällt mir daran nicht.

00:25:10: Jetzt habe ich mich einmal überwunden und vorher war schon das Problem der Mann, er nimmt nur die männliche Form, Jen hat gar nicht.

00:25:15: Also nicht mal, was heißt Jen, er nimmt keine geschlechtergerechte Sprache und lädt aber nur Frauen ein.

00:25:21: Also auch nur Frauen, also nur ein Geschlechtliter ein und spricht sie als Teilnehmer an.

00:25:25: Also da war schon so was am Anfang, was ich irritieren fand.

00:25:28: Und dann hat der zum Beispiel ... einmal überwiegend Frauen explizit eingeladen und die ganze Zeit mitgemacht als Einladender in seinem Haus, was so eine ganz komische Dynamik auch hatte.

00:25:40: Was sind denn Sachen, wo du Leuten auch abrezt, also irgendwo hinzugehen?

00:25:44: Weil gerade Sex-Partys, Play-Partys können ganz befreiend und großartig sein, aber sind eben wie alle Räume, wenn Menschen zusammenkommen, können auch schwierig sein.

00:25:52: Ja, das ist ein echt guter Punkt, also zum Einhör auf dein Bauchgefühl.

00:25:55: Wenn irgendwas sich komisch anfühlt, selbst wenn man das nicht genau benennen kann, dann ... Nimm dich lieber zurück und hör auf deinen Bauchgefühl, such dir eine andere Veranstaltung.

00:26:04: Es steht und fällt oft mit den Organisierenden leider.

00:26:07: Manchmal steckt man im Vorfeld nicht drin, wenn man zum Beispiel auf Stammtischen oder anderen Events grundsätzlich mit der Szene vernetzt ist.

00:26:13: Dann hat man den großen Vorteil, dass man ein bisschen nachfragen kann, okay, welche Events sind denn empfehlenswert?

00:26:18: Dass man da schon mal Events, die ich sag mal bekannt sind als, okay, Diabendstadt ausorganisiert ist irgendwie ein bisschen weird.

00:26:24: oder da gab es schon mal Vorfälle, um die sich nicht für so was gekümmert wurde, dass man die direkt schon mal meiden kann, einfach weil man die Community-Import hat.

00:26:33: Und ich glaube, aber was sonst, was zumindest etwas ist, was wir, also ich hab auch eine Zeit lang einen Stammtisch mit organisiert.

00:26:39: Da kam natürlich auch immer gerne den Menschen, deren erster Kontakt zur Szene war.

00:26:43: Und dorthin, und eine Sache, die wir tatsächlich in der Anfängerrunde immer mitgegeben haben, ist, dass man Leuten nicht blind vertrauen darf.

00:26:51: Das haben wir den Fehler, hab ich ja auch gemacht mit einer mit bewilligten Person, mit der ich gefesselt habe, wo ich einfach nach Hause gegangen bin, mit der Person, weil ich nicht, weil ich naiv war.

00:27:00: Und das ist zum Beispiel in der Szene so, wenn eine Person organisiert, irgendwie einen sozialen Status in dieser Community hat, dass man dann manchmal vergisst, dass auch diese Personen entweder unbewusst Fehler machen können oder bewusst Fehler oder Machtstellungen ausnützen können.

00:27:16: Das heißt einfach so eine grundsätzliche Sensibilität für Machtstrukturen in der Community.

00:27:22: Denn sobald jemand etwas organisiert oder irgendwie bekannt ist, und das trifft auch auf mich zu, stellt man diese Person vielleicht auf so ein Podest und glaubt ihr eher Dinge, und wird dann vielleicht ausgenutzt, gerade wenn man auf jemanden hereinfällt, dessen Ziel das ist.

00:27:37: Das heißt, da irgendwie so eine Sensibilität zu schaffen, ist wichtig.

00:27:40: Und das ist auch erst mir, als ich mich damit beschäftigt habe in dieser Community irgendwie klar geworden, dass mit Status irgendwie Macht einher geht tatsächlich.

00:27:50: Gut, wenn es dann bei Hennen in Hennen wie von dir ist, ist es wahrscheinlich ganz gut angelegt auf jeden Fall.

00:27:58: Sex-Positivität bedeutet ja auch nicht, dass Sex immer das Gute ist, sondern es ist eigentlich, ich mag meine Arbeit so gerne, weil ich es wichtig finde, dass wir eigentlich von sex-positiven Orten, die gut gemacht sind, was fürs ganze Leben lernen können.

00:28:10: Und dass wir da eigentlich dieses Lernen, wo fängt meine Grenze an, wie frage ich nach dem, was die andere Person möchte, wie drücke ich das aus, wie höre ich auf mich und mein Bauchgefühl, wie gehe ich aus Situationen oder sorg auch dafür, dass ich zum Beispiel, was ich nicht alleine bin, Situationen oder so, dass ich eigentlich im besten Fall von guten ... Angeboten, was lerne, was ich danach auch in der U-Bahn anwenden kann.

00:28:31: Ja, total.

00:28:32: Oder auf einer normalen Party und das ich eigentlich das Oktoberfest von einer kinkifetisch Party was abschauen sollte.

00:28:37: Absolut.

00:28:37: Das ist eigentlich dieses Lernen der Gesellschaft von solchen, sagen wir mal, ein bisschen nischigeren oder extremeren Beispielen, dass da ganz ganz viel Potenzial drin liegt, was wir alle eigentlich mit den patriarchale Systemen nehmen können.

00:28:50: Absolut.

00:28:51: Und das finde ich so die Stärke, die da drin liegt.

00:28:54: Was würdest du sagen, so zum Ende unseres Gesprächs?

00:28:57: Was möchtest du gerade jungen Menschen am liebsten mitgeben?

00:29:00: Was wär so was, wo du sagst, jetzt liegt auch so ein neues Jahr vor uns.

00:29:03: Schwungvoll, kannst losgehen, schnappt, europaischen, lasst euch fesseln, schaut euch um, was es gibt.

00:29:09: Was würdest du sagen, ist so ein Wunsch von dir, was du gerade in diesem Jahr noch anderen auch erzählen möchtest?

00:29:15: Geht zu eurem Stammtisch, geht zu endlich zu eurem Event, dass ihr schon so lange ausgekundschaftet habt, aber euch noch nicht getraut habt.

00:29:22: Der erste Schritt.

00:29:23: wirklich zu einem Event zu gehen, ist der Schwerste.

00:29:26: Das kennen wir alle, die da an einem Punkt mal waren, sich wirklich aufzuraffen und zu sagen, okay, ich geh da jetzt hin.

00:29:32: Ich weiß nicht, was mich erwartet.

00:29:34: Aber ich möchte ... ich möchte schauen, was in mir ist.

00:29:37: Ich möchte mit anderen Menschen darüber sprechen.

00:29:39: Traut euch bitte.

00:29:41: Und geht auch nicht nur zu einer Veranstaltung, geht vielleicht auch noch zu zwei oder zu drei, um die mitzunehmen, die für euch passt.

00:29:48: Und das würde ich mir wünschen, dass es ... wirklich etwas, wo man sich Leute manchmal ein bisschen stupsen muss.

00:29:53: Ich weiß, dass ich diesen Stups damals gebraucht hätte.

00:29:56: Und ich hoffe dann sehr, dass Menschen genau den Anklang und genau die Events finden.

00:30:02: So schön, herzlichen Dank.

00:30:04: Danke dir auch.

00:30:09: Das war wieder eine Folge Sex in Berlin.

00:30:11: Herzlichen Dank fürs liebevolle Lauschen.

00:30:13: Ich habe mich sehr gefreut.

00:30:14: und für alle, die uns unterstützen möchten, wir haben ja zwei Bücher draußen.

00:30:19: Einmal Sex in Berlin und dann Sex in ganz Deutschland plus Österreich und Schweiz.

00:30:24: Das heißt Sex von den Alpen bis zur Meer.

00:30:26: Beide Bücher findet ihr natürlich auf unserer Website.

00:30:29: Alle Informationen wie immer in den Show Notes und kommt gerne einmal bei sexin.berlin vorbei und da findet ihr weitere schöne Artikel.

00:30:38: zu allen Themen rund um Sexpositivität.

00:30:41: Bleibt liebevoll, geht gut miteinander um und lasst uns Stigmata und Vorteile einfach dieses Jahr so viel wie möglich wegpacken und uns gut und verbindend begegnen.

00:30:52: Herzlichen Dank, tschüss eure Nikke.

00:30:57: Sex in Berlin ist eine Produktion von Studio thirty-six präsentiert zusammen mit Einhorn.

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